Decke die Zweite

In diesem Jahr sollte auch noch die zweite Hälfte der Stalldecke freigelegt werden. Die Hauptarbeit bestand erneut in der Aufarbeitung der Eisenbahnschienen, die 1948 als Stahlträger verbaut worden waren. Diese waren von einer silikatartigen Kalkschicht zu befreien, die als desinfizierender Anstrich in den Ställen und in der Mühle mehrmals zwischen 1950 und 1970 aufgespritzt wurden.

Nach zahlreichen Versuchen kristallisierte sich schließlich ein dreistufiges Verfahren heraus, das sich für diesen Anwendungsfall als effektiv erwies und gleichzeitig die erhebliche Staubbelastung reduzierte. Denn gerade als Brillenträger gestaltet sich das Arbeiten mit Schutzbrille und Atemschutzmaske nur eingeschränkt machbar.

Zunächst wurden die Träger mit 33-prozentiger Salzsäure behandelt, um die Kalkablagerungen anzulösen. Anschließend erfolgte die mechanische Bearbeitung mit einem Drahtigel. Im letzten Arbeitsschritt wurden die Oberflächen mit Quarzsand abgestrahlt. Insbesondere diese Arbeiten über Kopf erwiesen sich als äußerst kräftezehrend, zumal das schwere Strahlgerät und die angeschlossenen Schläuche ständig bewegt und gehalten werden mussten.

Zuletzt erhielten die Träger einen Anstrich aus Leinöl. Erst dadurch kommt ihr besonderer Charakter voll zur Geltung. Der warme, dunkle Glanz des Stahls bildet einen reizvollen Kontrast zu den weiß gestrichenen Gewölbekappen und lässt die historische Deckenkonstruktion wieder deutlich hervortreten.

Im Stall wurden überwiegend Eisenbahnprofile aus deutschen Stahlwerken verbaut, die auf das Jahr um 1910 datiert sind. Als besondere Entdeckung fand sich jedoch ein Träger mit der Walzmarke Д.О. VI 1901 ВВБϹ, der somit bereits im Juni 1901 hergestellt wurde. Aufgrund der Prägung und einzelner kyrillischer Buchstaben, darunter „Д“ und „Б“, lässt sich eine Herkunft aus dem Russischen Kaiserreich zumindest vermuten. Welche Reise dieses Bauteil bis zu seinem heutigen Einsatzort zurückgelegt hat, bleibt bislang ungeklärt. Die Geschichte hinter diesem über 120 Jahre alten Träger wäre jedoch sicherlich ebenso spannend wie außergewöhnlich.

fertig gestrahlter Träger mit kyrillischer Inschrift